Ist Edelstahl umweltfreundlich?

Die Edelstahlherstellung sowie die Stahlgewinnung sind mit hohem Energieaufwand verbunden. Deshalb fragen sich viele Verbraucher, ob Edelstahl umweltfreundlich ist. Hier finden Sie einige Überlegungen zum Thema.
 

Was bedeutet überhaupt umweltfreundlich?

Wenn ein Produkt als „umweltfreundlich“ bzw. „nachhaltig“ bezeichnet wird, sind verschiedene Prozesse und Bereiche betroffen. 
Umweltfreundlich kann ein Produkt z.B. sein, wenn für die Herstellung nur wenig Energie verbraucht wird oder bei der Erzeugung nur in geringem Maße CO2 erzeugt wird. Umweltschonend ist ein Material oder Produkt aber auch, wenn es in hohem Maße recycelbar ist. Von Nachhaltigkeit wiederum kann gesprochen werden, wenn Materialien eine lange Lebensdauer aufweisen und sehr widerstandsfähig sind. 

Um also zu ermitteln, ob Edelstahl umweltfreundlich ist, müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. Das versuchen wir hier.
 

Der Energiebedarf von Edelstahl

Wir haben bereits an anderer Stelle über Edelstahl und Ökologie geschrieben. In jenem Beitrag haben wir ermittelt, dass für die Herstellung von einer Tonne Edelstahl weniger Energie benötigt wird als für eine Tonne PET, eine Tonne Polypropylen oder eine Tonne Aluminium.

In Bezug auf den Energieverbrauch bei der Herstellung ist Edelstahl somit umweltfreundlicher als Plastik oder Alu. Damit ist natürlich noch nichts über die Herstellungsprozesse in den jeweiligen Fabriken für Edelstahl- oder Alu-Produkte sowie Kunststoffverarbeitung gesagt. Dennoch ist festzuhalten, dass für die Erzeugung des „Rohstoffs“ Edelstahl weniger Energie benötigt wird als für andere Materialien. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der hohen Recyclingfähigkeit von Edelstahl.
 

Edelstahl und Recycling

Wenn Sie heute ein Edelstahlprodukt in den Händen halten, besteht es in der Regel zu mehr als 50 Prozent aus recyceltem Stahl. Wie kaum ein anderes Material ist Edelstahl zu 100 Prozent recyclingfähig. Sobald aus Eisenerz und anderen Elementen legierter Stahl hergestellt wird, kann dieser Edelstahl anschließend durch Einschmelzen ohne Qualitätseinbußen immer wieder neu verwendet werden.
Wenn Verbraucher Edelstahl korrekt entsorgen, tragen sie zur nachhaltigen Verwendung des Werkstoffs bei und senken den CO2-Footprint des Materials deutlich.

Im Vergleich zu Edelstahl ist die Recyclingquote bei Kunststoffen hingegen gering. Da es sich meist um Verbundstoffe handelt, ist deren „Auseinanderdröseln“ beim Recyceln viel zu aufwändig, sodass Kunststoff heute meist als Brennstoff in der Müllverbrennungsanlage landet. Von Nachhaltigkeit kann deshalb an dieser Stelle nicht die Rede sein.

Auch wenn reines Aluminium in der Theorie voll recyclingfähig ist, sieht die Praxis jedoch meist ganz anders aus. Da Aluminium selten in Reinform, sondern als Legierung verwendet wird, ist das Trennen von Alu und Legierungselement kaum möglich. Beim Einschmelzen von Aluminium werden somit viele verschiedene Legierungen miteinander verschmolzen
Das geht nicht ohne Qualitätsverlust. Um diesen auszugleichen, muss der Schmelze wieder reines Aluminium hinzugefügt werden, wodurch die Recyclingquote deutlich sinkt. Gleichzeitig reduziert sich mit jedem Recyclingvorgang von legiertem Aluminium dessen Qualität. Im Vergleich mit Edelstahl ist Aluminium also nur in geringem Maße nachhaltig und umweltfreundlich.
 

Edelstahlbecher vs. Pappbecher

Neben der Recyclingfähigkeit ist es auch die Langlebigkeit, welche Edelstahl auszeichnet. Vergleichen wir z.B. einen wiederverwertbaren Kaffeebecher aus Edelstahl mit einem Coffee-to-go-Becher aus Pappe. 

Edelstahlbecher oder Pappbecher?

Wenn Sie zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit rund 200 Wegwerfbecher mit frischem Kaffee pro Jahr verbrauchen, sind das in fünf Jahren 1.000 Pappbecher. Verwenden Sie einen Edelstahlbecher, werden Sie nur diesen einen in fünf Jahren brauchen. Und er wird auch noch länger durchhalten. 

Forscher gehen davon aus, dass sich ein Mehrwegbecher aus Edelstahl aus ökologischer Sicht schon nach 40 Füllungen lohnt.
 

Edelstahl vs. verzinkter Stahl

Ob beim Bau von Geländern oder anderen Konstruktionen im Außenbereich konkurriert Edelstahl bei Verbrauchern mit verzinktem Stahl. Beide Stähle zeichnen sich durch ihre Stabilität und Härte aus. Allerdings hat der verzinkte Stahl einen deutlichen Nachteil. Er muss regelmäßig lackiert oder grundiert werden, damit er korrosionsbeständig bleibt. V2A- oder V4A-Edelstahl hingegen muss nicht imprägniert oder neu gestrichen werden, damit die Korrosionsbeständigkeit erhalten bleibt. Verbraucher sparen sich so die Verwendung von umweltschädlichen Lacken und Farben. 
 

Edelstahl und Lebensmittel

Im Lebensmittelbereich zeichnet sich Edelstahl durch seine Geschmacksneutralität, die Rostbeständigkeit und die Lebensmittelechtheit aus. Edelstahl gibt keine gesundheitsschädlichen Stoffe beim Erhitzen ab und widersteht auch säurehaltigen Flüssigkeiten bzw. Lebensmitteln. 

Wer sich somit für Kochgeschirr aus Edelstahl entscheidet, setzt auf Nachhaltigkeit, Hygiene und Sicherheit.
 

Fazit: Edelstahl ist trotz hohen Energieaufwands bei der Produktion nachhaltig


In Bezug auf Recyclingfähigkeit und Lebensdauer ist Edelstahl ein sehr nachhaltiger Werkstoff. Obwohl für dessen Herstellung und Verarbeitung viel Energie notwendig ist, kann Edelstahl deshalb als umweltfreundlich bezeichnet werden. Schließlich handelt es sich bei Edelstahlprodukten um Nutzgegenstände, die Sie im besten Fall ein Leben lang begleiten.